Heinz Neumaier
Heinz Neumaier

Traditionelle alpenländische Volksmusik

Diese Musik ist zu einem Stück meiner Seele geworden. Sie ist aber auch einem ständigen Wandel unterworfen - das war immer schon so. Dabei ist sie etwas ganz Lebendiges, weil man auch wie im Jazz und anderen Stilrichtungen improvisieren darf.

Vor allem die Saitenmusik in den verschiedenen Besetzungen mit Zither, Hackbrett, Harfe, Gitarre u. Streichinstrumenten ist allein deshalb so unaufdringlich, weil darin noch etwas von der bairischen Noblesse vorhanden ist. Diesen Vergleich hat einmal Wastl Fanderl gebracht. Seine Einschätzung erschien mir noch vor Jahren übertrieben, inzwischen aber nicht mehr.

Viele glauben heutzutage, bairische Volksmusik müsse reich an Effekten, kraftvoll urig oder exzentrisch sein. Sie komme nur dann noch beim Publikum an, wenn sie mit gesellschaftskritischen Texten oder ähnlichem in Verbindung gesetzt wird. Es entspräche dem Zeitgeist, mit moderneren Klängen und Rhythmen aus anderen Musikkulturen für eine "Blutauffrischung" zu sorgen. Dabei geht das typisch Bairische in der Musik meist verloren, was man an zahlreichen Beispielen belegen kann.

Deshalb ist es so wichtig, auf die Wurzeln unserer Volksmusik zurückgehen, wenn man neue bairisch klingende Stücke zusammenstellt. Vergleicht man 30 oder 40 Jahre alte Saitenmusik - Aufnahmen mit Beispielen aus jüngerer Zeit, findet man häufig beachtliche Fortschritte hinsichtlich der musikalischen Qualität. Dies wird aber von vielen desinteressierten und meist oberflächlich kritisierenden Zeitgenossen nicht wahrgenommen. Häufig wird in öffentlichen Medien die Meinung vertreten, die traditionelle bairische Volksmusik sei irgendwo stehen geblieben und werde zu Tode gepflegt. Heute aber gibt es wie noch nie zuvor soviele hervorragende Nachwuchsgruppen mit neuen Stücken und bestem musikantischem Gespür, dass es eine wahre Freude ist.

 

Gitarrenduo Heinrich und Heinz Neumaier

 

Die Grundlagen für das Begleiten auf der Gitarre brachte ich mir ab dem 13. Lebensjahr autodidaktisch bei. Dem großen Vorbild Tobi Reiser aus Salzburg nacheifernd, gelang es mir mit Hilfe von Tonbandaufnahmen einige Melodien seiner Gitarrenstückl auswendig nachzuspielen. Der Vater, ein hervorragender Pianist, eignete sich in kurzer Zeit die wichtigsten Griffe für eine Gitarrenbegleitung an und kurz nach seinem 50. Geburtstag im Jahre 1963 ließen wir uns erstmals in der Öffentlichkeit hören. Bald folgten Archivaufnahmen im Bayerischen Rundfunk. Zu vielen schönen Veranstaltungen wurden wir eingeladen. Wastl Fanderl bat uns zum Dombergsingen nach Freising, zur öffentlichen Wunschsendung "A weni kurz, a weni lang", die vom BR aufgezeichnet wurde oder auch zu einer Aufzeichnung des "Bayerischen Lieder- und Notenbüchls" ins Fernsehstudio nach Freimann. In vielen Wirtshäusern, Kirchen, Schlössern, großen u. kleinen Sälen durften wir spielen, bis der Vater schwer erkrankte und im Januar 1976 aus dem Leben schied.

 

Trio Scheuerer - Hartl - Neumaier

 

Während meiner Studentenzeit war ich ein häufiger Stammgast in einem Musikantenwirtshaus in der Nähe von Bad Tölz. Der Wirt das Gasthauses "Zur Quelle" war selbst ein hervorragender Zitherspieler, um dessen Stammtisch sich regelmäßig viele Sänger und Musikanten aus dem ganzen Oberland trafen. Besonders häufig spielte ich dort auch mit Willi Scheuerer (Zither) aus Königsdorf und Heinz Hartl (Akkordeon) aus Olching. 

Gitarrenduo Neumaier - Scheingraber

 

Ab 1968 spielte ich auch mit Uschi Scheingraber im Duo oder auch im Trio, wenn mein Vater Heinrich uns begleitete. Zu vielen Veranstaltungen in München, beim Bayerischen Rundfunk, wo wir u. a. bei Live-Sendungen mitmachen durften, oder auch zu Schallplattenaufnahmen wurden wir gebeten. Nach dem Tode meines Vaters bis ca. 1980 waren wir viel unterwegs.

 Allmählich übernahm Uschi auch die Begleitung beim Dachauer Dreigesang, da ich aus beruflichen Gründen mehr zurückstecken musste.

Raffele - Duo Lodermeier - Neumaier

 

Es waren nicht sehr viele Anlässe, bei denen ich den Raffele-Spieler Achim Lodermeier aus Landshut begleiten durfte. Die mit einem Plektron angerissenen 3 Saiten seines Raffeles hielten dem temperamentvollen Spiel mitunter nicht stand. Aber trotzdem ist es schon erstaunlich, was für eine rassige Musi mit einem unverwechselbaren Klang wir beide mit insgesamt 9 Saiten machen konnten.

Feichthof Saitenmusi

 

Seit den frühen sechziger Jahren haben sich im gastfreundlichen Haus der Familie Ehrmann in Obermenzing regelmäßig Musikanten, Sänger und Volkstänzer im Kreise vieler Gleichgesinnter zusammengefunden. Die Begeisterung für das musikantische Zusammenspiel brachte im Sommer 1980 Andreas, Christoph und dessen Frau Bärbel mit Heinz und Peter Neumaier aus Dachau zusammen. Häufig wurde in diesem Haus in der Feichthof- Straße geprobt und so nannten sich die fünf auch bald „Feichthof-Saitenmusi“. Stilistisch angeregt durch Tobi Reiser und dem Schwab Franzi probierten sie bald eigene Stückl aus, die gemeinsam „zurechtgespielt“ wurden, bis endlich alle mit dem Klang zufrieden waren. Bei vielen Veranstaltungen in Ober – und Niederbayern, wie auch jenseits der Salzach spielte die Gruppe auf und viele Gesangsgruppen haben sich mit ihnen als Liedbegleiter gut aufgehoben gefühlt. Ebenso kamen Rundfunk- und CD-Aufnahmen nicht zu kurz.

Gitarrenduo Heinz und Peter Neumaier

 

1980 spielte ich erstmals mit dem damals 19-jährigen Dachauer Peter Neumaier zusammen.

Uns verbindet nicht nur der gleichgeschriebene Nachname sondern auch die Leidenschaft zum Musizieren auf der Gitarre. Beide mögen wir das Melodiespiel. Es gibt sogar Stücke, wo wir beide zwischen Begleitung und Melodieführung hin und her wechseln. Da wir ja auch bei der "Feichthof - Saitenmusi" mitwirken, können wir bei Auftritten zwischen kleiner und großer Besetzung pendeln. Mehrmals durften wir Stücke beim BR einspielen, auch als Liedbegleiter vieler Gesangsgruppen greifen wir gerne in die Saiten. Unsere Gitarrenstückl, viele davon selbst gemacht, sind auf ein paar CDs erschienen. Auch zu einer Volksmusiksendung im Bayerischen Fernsehen wurden wir eingeladen. Besonders häufig spielten wir auf der "Tuften", dem Wohnhaus Ludwig Thomas in Rottach - Egern. Weil Peter aus beruflichen Gründen zur Zeit im Ausland lebt, ist das gemeinsame Musizieren vorläufig nur selten möglich.

Gitarrenduo Neumaier mit Franzi Schwab (1927 - 2010)

 

Wann ich zum ersten Mal mit dem Schwab Franzi aus Marktschellenberg zusammengspielt habe, weiß ich nicht mehr so genau. Zusammen mit Tobi Reiser und ein paar Musikanten war er schon in den frühen 50er Jahren als Gast bei uns im Haus. Nach einer Veranstaltung, bei der er im Dachauer Schloss mit seiner Berchtesgadener Saitenmusi mitwirkte, setzte ich mich zu ihm, wir spielten einige alte Stückl vom Reiser Tobi aus dem Gedächtnis und wir verstanden uns sofort. Regelmäßig trafen Peter und ich mit ihm vielen Veranstaltungen im Kloster Schweiklberg bei Vilshofen zusammen und nutzten die Gelegenheit miteienander Altes und Neues zum Klingen zu bringen. Spontan war auch seine Zusage für eine CD-Produktion im Jahre 1993, bei der wir die Geschwister Forster begleiteten und mit großer Spielfreude zu dritt aufspielten.

Gitarrenduo Neumaier - Korntheuer

 

Als 2002 Peter Neumaier aus beruflichen Gründen nach Warschau ziehen musste, ergab es sich durch eine glückliche Fügung, dass Nepomuk Korntheuer aus Bolzwang sowohl im Gitarrenduo wie auch bei der Feichthof - Saitenmusi für ihn einsprang. Ein Jahr später entstanden auf Einladung der Menzinger Sänger mit ihm zusammen Studio - Aufnahmen für eine weitere CD.

Gröbenbach Musi


Im Jahre 2005 taten sich Roman Messerer, Hubert Blaser und Karl Schabmair – alle drei bestens von der „Bairer Saitenmusi“ her bekannt - mit dem  Dachauer Heinz Neumaier zu einer neuen Gruppierung zusammen. Sie benannten sich nach einem Bach, der vom Dachauer Moos kommend in Sichtweite des Neumaier’schen Wohnhauses seinen Weg zur Amper sucht.

Die Spielweise der verschiedenen Besetzungen um den Tobi Reiser herum, regten den Heinz Neumaier an, deren Spielgut zu bearbeiten und eigene Melodien für diese Besetzung – Zither und zwei Gitarren und Streichbass – zu schaffen. Im Zusammenspiel mit den erfahrenen Musikantenfreunden, die ihre  Versiertheit in zahlreichen Besetzungen unter Beweis stellen, ergibt sich eine ganz eigene, raffinierte Klangfärbung. Auch die Liedbegleitung ist für diese Gruppierung, die sich auch nur als Trio zu Gehör bringt, eine verantwortungsvolle Aufgabe, der sie sich mit großem Einfühlungsvermögen stellen.

 

 

 

Bairer Saitenmusi 

 

Schon im Alter von 15 Jahren musizierte Roman Messerer aus dem Bairer Winkl, ein gefragter Musiklehrer, Liedbegleiter und Vorbild vieler junger Zitherspieler, zusammen mit der Hackbrettspielerin Rosemarie Riedl und Ihren Bruder dem Gitarristen Hubert Blaser aus Eglharting. Als „Moarleitenmusi“ produzierte das Trio bereits einige Tonträger. Die Gruppe wurde 1991 durch die Geschwister Schabmair aus Egmating mit der Harfenistin Lisi Höß und ihrem Bruder Karl Schabmair, einem Bassspieler, ergänzt und so wurde die „Bairer Saitenmusi“ gegründet. Aus gesundheitlichen Gründen musste die Rosemarie 2008 ausscheiden, konnte aber durch Roman Messerers Frau Daniela ersetzt werden. Mit dem in Freundschaft verbundenen Heinz Neumaier aus Dachau kam eine neue Klangfarbe durch sein Melodiespiel auf der Gitarre dazu, die sich besonders für die alten Tobi-Reiser-Stückl wie auch für manche neue Weisen eignet.

Liesl Höss (Harfe), Heinz Neumaier (Gitarre), Hubert Blaser (Gitarre), Roman Messerer (Zither)
Daniela Messerer (Hackbrett), Karl Schabmair (Kontrabass)

 

 

 

Zitherklub Dachau

 

Seit 2009 betreuen Liselotte Stockinger und Heinz Neumaier als gemeinsame musikalische Leitung den Zitherklub Dachau. Circa 20 Personen proben wöchentlich auf Diskant- u. Altzither, Hackbrett, Harfe, Gitarre und Streichbass aus einem großen Noten - Fundus. Im November jeden Jahres findet ein großes Konzert statt, zu dem Gesangs- und Musikgruppen aus dem Oberland und auch aus Österreich in den prächtigen Renaissance - Festsaal des Dachauer Schlosses eingeladen werden. Daneben spielt der Zitherklub jedes Jahr bei einem traditionellen Hoagartn und bei einer Maiandacht.

Im Gitarrenduo mit meinem Schüler Markus Köhl

 

Mit Markus Köhl, einem begabten Schüler aus Karlsfeld bei Dachau, greife ich ab und zu in die Saiten, wobei er schon in kurzer Zeit sich ein beachtliches Repertoire an Gitarrenstücken angeeignet hat. Er spielt die Melodien, ich übernehme meist die Gitarrenbleitung.